Verstrahlte Gegenwart

Aktivisten erinnern an Reaktorkatastrophe Japan vom 11. März 2011

Themengebiet:
Endlager Umwelt

Presseerklärung vom 8. März 2017

Tübingen, 11. 3. 2017 –  Tübinger Greenpeace-Aktivisten erinnern am Samstag, den 11. März von 19 bis 21 Uhr auf dem Holzmarkt in Tübingen an den katastrophalen Atomunfall im japanischen Fukushima vor sechs Jahren. Die Umweltschützer mahnen mit einem Kerzenzeichen aus Windlichtern die Folgen einer, von den Verantwortlichen für undenkbar gehaltenen Katastrophe von der noch viele Generationen betroffen sein werden, an. Die Aktion ist ein Appell an die japanische Regierung, die Bevölkerung nicht weiter dem atomaren Risiko auszusetzen und alle Reaktoren endgültig abzuschalten. „Die Folgen von Fukushima werden noch Jahrhunderte andauern“, sagt Ulrike Beck Sprecherin von Greenpeace Tübingen. "Ein Super-GAU lässt sich nicht einfach wieder aufräumen.“

Die Radioaktivität einer Region in Plastiksäcken
Der 11. März 2011 ging als einer der schlimmsten Schicksalstage Japans in die Geschichte ein. Eine Dreifach-Katastrophe suchte das hochtechnisierte Industrieland heim: Ein Erdbeben in bisher nie dagewesener Stärke 9,0, ein gewaltiger Tsunami und – dadurch ausgelöst – ein atomarer Unfall im Atomkraftwerk Fukushima Daiichi mit fatalen Folgen. Es kam es zu Kernschmelzen in drei Blöcken, zu Explosionen und einer massiven Freisetzung von Radioaktivität. Die Katastrophe forderte mindestens 18.000 Menschenleben. Radioaktive Verseuchung zwang 160.000 Japaner, ihre Häuser zu verlassen. Die Region von Iitate, zwischen 28 und 47 Kilometer nordwestlich des havarierten Atomkraftwerkes, wurde stark verstrahlt.

In einem irrwitzigen Mammutprojekt ließ die japanische Regierung in den Jahren darauf  den Boden einer ganzen Region abtragen, ließ Dächer und Straßen waschen, Laub einsammeln und abgemähtes Gras verpacken. Entstanden sind so etliche Millionen Kubikmeter Atommüll. Der liegt nun in Plastiksäcken verpackt überall am Wegesrand. Nach drei Jahren beginnen die Tüten zu reißen. Und dann?

Die 6000 Anwohner des kleinen Dorfs Iitate stehen jetzt vor einer grausamen Wahl: Kehren sie in ihre Häuser zurück und setzen sich und ihre Familien einer ständigen radioaktiven Strahlung aus, oder nicht? Wenn sie nicht gehen, erhalten sie keine Entschädigungszahlungen mehr und wissen nicht, wovon sie leben sollen. Gehen sie aber, wissen sie nie, ob die Pfütze vor ihrem Haus gerade ein strahlender Hotspot ist, oder wie stark die Kieselsteine belastet sind, mit denen die Enkelkinder spielen.

Greenpeace-Report: Die Rückkehr in die Sperrzone ist totaler Wahnsinn
In einem aktuellen Report informiert Greenpeace über Fukushima-Rückkehrer und wie Japan das Leben der Betroffenen gefährdet. Greenpeace war seit dem Unfall jedes Jahr in den betroffenen Gebieten unterwegs und untersuchte die Strahlenwerte. Der jetzt veröffentliche Report wertet tausende von Messergebnissen aus. „Sechs Jahre lag Iitate verlassen in der Sperrzone des explodierten AKW Fukushima Daiichi. Jetzt soll es wieder besiedelt werden.“ so Beck. „Der Plan ist totaler Wahnsinn.“

Achtung Redaktionen: Für Rückfragen wenden Sie sich bitte an Ulrike Beck, mobil erreichbar unter der Telefonnummer: 0151/56714148; e-mail: info@tuebingen.greenpeace.de.


Report: http://www.greenpeace.de/presse/publikationen/report-no-return-normal