Tschernobyl ist noch lange nicht vorbei

Aktivisten erinnern an Reaktorkatastrophe Tschernobyl am 26. April 1986

Themengebiet:
Energiewende

 Presseerklärung vom 22. April 2016

Tübingen, 25./26.4. 2016 –  Mit einer 30 stündigen Mahnwache erinnern Tübinger Greenpeace-Aktivisten von Montag, 25. April 2016, 16 Uhr bis Dienstag, 26. April  2016, 22 Uhr auf dem Holzmarkt in Tübingen an die Reaktorkatastrophe in Tschernobyl vor 30 Jahren. Die Passanten haben die Gelegenheit sich austauschen, wie sie diesen denkwürdigen Tag und die Zeit danach erlebt haben. In den Abendstunden wird an beiden Tagen ein Tschernobyl-Schriftzug aus 300 brennenden Teelichtern aufgestellt. 30 Plakate mit Atomunfällen aus der ganzen Welt, die in er Innenstadt verteilt werden, sollen daran erinnern: Tschernobyl ist überall. „Die Atomkatastrophe von Tschernobyl ist fast vergessen, doch sie ist noch lange nicht vorbei“ sagt Ulrike Beck, Sprecherin von Greenpeace Tübingen. „Die Folgen werden noch Jahrhunderte andauern“.

Es ist fast ein Drittel Jahrhundert her, dass der erste Super-GAU in der zivilen Atomnutzung das Vertrauen in diese Technik zu radioaktivem Staub zerfallen lässt. Am 26. April 1986 gerät im Block 4 des ukrainischen Atomkraftwerks Tschernobyl ein Test außer Kontrolle, es kommt zur Kernschmelze, kurze Zeit später explodiert der Reaktor und brennt 10 Tage lang. In aller Eile errichten tausende so genannter „Liquidatoren“ aus Stahl und Beton eine provisorische Schutzhülle, um die Umwelt vor der zerstörerischen Strahlung zu schützen. Dieser erste Sarkophag um den explodierten Reaktorkern und die Gebäude auf dem Gelände war immer nur als Provisorium gedacht. Die AKW-Ruine stellt seit Jahren eine Gefahr für die ganze Region dar. In dem Sarkophag hat sich radioaktiver Staub angesammelt, der sich bei einem Einsturz dutzende Kilometer in der Umgebung verstreuen kann.

Ein Mammutprojekt aus Stahl und Beton
Deshalb soll ein riesengroßer zweiter Sarkophag aus Stahl und Beton gebaut und auf Schienen über den zerstörten Reaktorblock geschoben werden. Nachdem sich das Projekt jahrelang verzögert und immer weiter verteuert hat, beginnen 2012 endlich die Bauarbeiten. Im Frühjahr 2016 sieht es so aus, als ob 2017 die Schutzhülle tatsächlich fertig werden könnte. Dann wäre wenigstens die Kernschmelze wieder unter einer schützenden Hülle. Doch die Radioaktivität aus der Umwelt holt niemand mehr zurück.

Atomenergie, Bürde für viele Generationen
Die Nutzung der Atomenergie und der Bau neuer Reaktoren schreiten trotz Tschernobyl und Fukushima voran. Nicht nur die Lagerung und der Umgang mit den hochradioaktiven Abfällen eines AKWs sind für die Menschheit ein fast unlösbares Dilemma, auch die Konservierung und der Rückbau ausgedienter Reaktoren sind kaum zu meistern. Tschernobyl und  Fukushima zeigen uns, dass der Preis für den Umgang mit Atomkraft zu hoch ist.  „Auch wenn Tschernobyl von vielen bald ganz vergessen sein wird, die Folgen werden noch viele Generationen nach uns zu spüren bekommen“ sagt Beck. „Radioaktive Strahlung hört nicht einfach auf zu strahlen, nur weil man nicht mehr daran denkt.“

Achtung Redaktionen: Für Rückfragen wenden Sie sich bitte an Ulrike Beck, mobil erreichbar unter der Telefonnummer: 0151/56714148 e-mail: info@tuebingen.greenpeace.de.