Mahnwache für Tschernobyl

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 Am Donnerstag, 25. April erinnern Tübinger wir Greenpeace-Aktivist*innen auf dem Holzmarkt in Tübingen an die Reaktorkatastrophe in Tschernobyl vor 33 Jahren. Dieser denkwürdige Tag ist fast in Vergessenheit geraten. Die jüngere Generation war zu der Zeit noch nicht geboren und empfindet das Ereignis wie viele andere aus der geschichtlichen Vergangenheit des letzten Jahrhunderts. Die ältere Generation kann sich dagegen noch ganz gut an die Unsicherheit und die Ängste der damaligen Zeit erinnern. Und trotzdem sind für uns die Gefahren und Auswirkungen eines solchen Unfalls irgendwie weit weg – selbst nach der Katastrophe in Fukushima.

Doch die Menschen die in diesen Regionen leben müssen, leiden auch heute noch unter den Folgen. Es gibt dort Gegenden die auf Jahrhunderte so stark radioaktiv verstrahlt sind, dass sich dort kein Mensch ohne gesundheitliches Risiko aufhalten kann.

Sowohl in Tschernobyl wie auch in Fukushima gibt es noch keine Lösung wie die geschmolzenen massiv strahlenden Reaktorkerne sicher entfernt und wo sie auf Jahrtausende sicher gelagert werden können.

Die Nutzung der Atomenergie und der Bau neuer Reaktoren schreiten trotz Tschernobyl und Fukushima voran. Nicht nur die Lagerung und der Umgang mit den hochradioaktiven Abfällen eines AKWs sind für die Menschheit ein fast unlösbares Dilemma, auch die Konservierung und der Rückbau ausgedienter Reaktoren sind kaum zu meistern. Tschernobyl und  Fukushima zeigen uns, dass der Preis für den Umgang mit Atomkraft zu hoch ist. Auch wenn in Deutschland 2022 das letzte Atomkraftwerk endgültig abgeschaltet wird, werden noch viele Generationen nach uns die Auswirkungen durch den strahlenden Atommüll zu spüren bekommen.

Hintergrund
Es ist fast ein Drittel Jahrhundert her, dass der erste Super-GAU in der zivilen Atomnutzung das Vertrauen in diese Technik zu radioaktivem Staub zerfallen lässt. Am 26. April 1986 gerät im Block 4 des ukrainischen Atomkraftwerks Tschernobyl ein Test außer Kontrolle, es kommt zur Kernschmelze, kurze Zeit später explodiert der Reaktor und brennt 10 Tage lang. In aller Eile errichten tausende so genannter „Liquidatoren“ aus Stahl und Beton eine provisorische Schutzhülle, um die Umwelt vor der zerstörerischen Strahlung zu schützen. Dieser erste Sarkophag um den explodierten Reaktorkern und die Gebäude auf dem Gelände war immer nur als Provisorium gedacht. Die AKW-Ruine stellt seit Jahren eine Gefahr für die ganze Region dar. In dem Sarkophag hat sich radioaktiver Staub angesammelt, der sich bei einem Einsturz dutzende Kilometer in der Umgebung verstreuen kann. Deshalb ist in den letzten Jahren ein riesengroßer zweiter Sarkophag aus Stahl und Beton gebaut und 2017 auf Schienen über den zerstörten Reaktorblock geschoben worden. Somit ist wenigstes der geschmolzene Reaktorkern wieder unter einer schützenden Hülle. Die Lebensdauer von dieser ist allerdings nur auf 100 Jahre ausgelegt.

 

 

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