Klima- oder Kohlekanzlerin?

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Am Samstag, den 30. Mai protestierten wir Tübinger an der Krummen Brücke zusammen mit Aktivisten in 62 Städten deutschlandweit für den Schutz des Klimas und sammelten Unterschriften für den Ausstieg aus der Kohleverstromung. Diese Unterschriften werden Mitte Juni an Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel übergeben.
Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) muss ihren internationalen Versprechungen endlich national Taten folgen zu lassen und einen schrittweisen Ausstieg aus der Kohlekraft ankündigen. Die Kanzlerin findet große Worte auf der internationalen Klima-Bühne. Wenn es jedoch um Entscheidungen im eigenen Land geht, sieht sie stillschweigend zu, wie die Kohlelobby den Klimaschutz sabotiert.
Kein Land produziert mehr schmutzigen Braunkohlestrom als Deutschland. Ausgerechnet das Mutterland der Energiewende lässt bis heute mehr Kohle aus dem Boden fräsen als jedes andere Land der Welt. Für die Natur ist das eine Tragödie, für unsere Gesundheit eine Gefahr. Denn Kohle ist giftig – für das Klima, aber auch für den Menschen.

Noch ein trauriger Rekord: Unter allen Energieträgern ist Braunkohle der klimaschädlichste. Für die gleiche Menge Strom produziert ein Kohlekraftwerk etwa drei Mal so viel CO2 wie ein modernes Gaskraftwerk. Doch obwohl sich Deutschland längst für die Energiewende entschieden hat, obwohl Wind und Sonne jeden Monat mehr saubere Energie liefern, laufen die Braunkohlekraftwerke im Land weiter auf vollen Touren. Nicht weil Deutschland all ihren Strom bräuchte, sondern weil die Energiekonzerne einen großen Teil davon ins Ausland verkaufen. Das geht, weil die Politik den Kraftwerksbetreibern erlaubt, unser aller Atmosphäre als Gratis-Deponie für riesige Mengen klimaschädiches CO2 und giftiges Quecksilber zu missbrauchen.

Dabei sind die Erkenntnisse der Klimawissenschaft eindeutig: Nur wenn der Großteil der verbleibenden fossilen Energieträger wie Kohle und Öl im Boden bleibt, können wir den immer spürbarer werdenden Klimawandel eindämmen.

Deutschland benötigt einen Großteil der schmutzigen Kohlekraftwerke gar nicht mehr für eine gesicherte Energieversorgung, wie Greenpeace kürzlich mit einer Studie belegte. Durch den stetigen Ausbau der Erneuerbaren Energien könnten die 36 ältesten Kohlemeiler sofort vom Netz gehen.

Für Deutschland heißt das:

  • Die Bundesregierung muss einen schrittweisen Kohleausstieg beschließen.
  • Deutschland wird sein Klimaziel im Jahr 2020 nur erreichen können, wenn die Kohleverstromung deutlich reduziert wird. Ein energischer Ausbau der Erneuerbaren Energien macht es möglich, bis zum Jahr 2030 das letzte Braunkohlekraftwerk abzuschalten.

Doch um die von Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) vorgeschlagene Klimaabgabe auf alte Kohlekraftwerke ist Streit entbrannt. Kohlekonzerne, Gewerkschaften und der Wirtschaftsflügel der CDU blockieren die notwendige Drosselung der Klimakiller. Unter dem massiven Druck scheint sich Gabriel nun der Kohlelobby zu beugen. Sein neuer Vorschlag: Der Kraftwerksbereich soll nur noch 16 Millionen Tonnen CO2 einsparen statt der ursprünglich vorgesehen 22 Millionen Tonnen. So verfehlt die Bundesregierung jedoch ihr Klimaziel und blamiert sich beim kommenden G7-Gipfel im bayerischen Elmau. Anfang Juni beraten dort die sieben größten Industriestaaten über Klimaschutz. Das Ergebnis gilt als wichtiges Signal für den Weltklimagipfel Ende 2015 in Paris. Es zeigt sich immer klarer, dass der Bundeskanzlerin die Profitinteressen einzelner Energiekonzerne wichtiger sind als der Klimaschutz
 

Publikationen

  • PDF icon Braunkohle: Ein schmutziges GeschäftPDF |6.1 MBEin Weltmeistertitel, auf den niemand stolz sein kann: Kein Land produziert mehr schmutzigen Braunkohlestrom als Deutschland. Ausgerechnet das Mutterland der Energiewende lässt bis heute mehr Kohle aus dem Boden fräsen als jedes andere Land der Welt. Für die Natur ist das eine Tragödie, für unsere Gesundheit eine Gefahr. Denn Kohle ist giftig – für das Klima, aber auch für den Menschen. Doch während die Politik den dringend nötigen Kohleausstieg verschleppt, verbrennen Kohlekonzerne weiter Millionen Tonnen schädliche Braunkohle.

    PDF icon Gift aus dem Schlot: Wie Quecksilber aus Kohlekraftwerken unsere Gesundheit schädigtPDF |1.51 MBNoch immer stammt die Hälfte des deutschen Stroms aus schmutzigen Kohlekraftwerken. Und noch immer prägt die Braunkohle im Ruhrgebiet und in der Lausitz ganze Landstriche. Für das Klima ist das eine Katastrophe, für die Umwelt ein Desaster – und für den Menschen eine Gefahr. Denn Kohlekraftwerke stoßen große Mengen Schadstoffe wie Quecksilber aus. Aus den Schloten gelangen diese in die Umwelt, vergiften Wasser, Böden, Tiere und am Ende auch uns Menschen.

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