Gegen die Vermüllung der Meere

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Unter dem Motto #wellemachen haben von 11 Uhr bis 13 Uhr Tübinger Greenpeace AktivistInnen auf dem Holzmarkt gegen die zunehmende Vermüllung der Meere demonstriert. Die AktivistInnen haben vor 3 Wochen den Kreisfischereiverein Tübingen e.V. beim Müll sammeln am Neckarufer unterstützt. Dabei kamen mehr als 100 kg zusammen. Teile des Plastik-Mülls sind als Mahnmal präsentiert worden. Wir krempeln die Ärmel hoch als Zeichen für den Meeresschutz, egal ob an der Ostsee oder in den Alpen: Plastik gelangt oft über die Flüsse ins Meer. Dort verrottet es nicht, sondern belastet für mehrere hundert, wenn nicht tausende Jahre die Ökosysteme.

Ozeane verkommen zum Plastikendlager
Bis zu 13 Millionen Tonnen Plastikabfälle gelangen jedes Jahr weltweit alleine von Land aus ins Meer. Dort werden Plastikteile zur tödlichen Falle für viele Meereslebewesen wie Seevögel, Schildkröten oder Delfine: Diese verheddern sich darin und ertrinken – oder verwechseln sie mit Nahrung. Auch im Magen eines der kürzlich an der Nordseeküste gestrandeten Pottwale fanden Wissenschaftler ein Fischernetz. Plastik macht mittlerweile über die Hälfte des Mülls an den Stränden der Nord- und Ostsee aus.

Der Wellengang und die UV-Strahlung zerkleinern den schwimmenden Plastikmüll in mikroskopisch kleine Teilchen – sogenanntes Mikroplastik. Doch auch in Kosmetika steckt Mikroplastik in Form von winzigen Perlen oder Granulaten. Zu klein, um aus unseren Abwässern gefiltert zu werden, gelangen diese über die Flüsse ins Meer. Dort sammeln sich an den Partikeln Umweltschadstoffe, teils in hoher Konzentration. Forscher haben längst Mikroplastik in Plankton, Muscheln und Garnelen nachgewiesen – auch in Nordseefischen wie Makrele, Hering oder Flunder. So landen giftige Plastikabfälle über die Nahrungskette unter Umständen wieder auf unserem Teller.

Die Aktion

Ziel war, die Passanten die Problematik von Plastik ins Bewusstsein zu rufen, sie über Mikroplastik zu informieren und Unterschriften zu sammeln. Dafür hatten die AktivistInnen eine Weltkarte gemalt, auf der die großen Müllstrudel in den Ozeanen dargestellt wurde. Die meisten Fußgänger wussten über diese bereits Bescheid, aber waren erstaunt, dass es inzwischen fünf von diesen „Plastikinseln“ gibt. Entsetzt hat viele auch, dass der Müll auf dem Holzmarkt aus dem Neckar stammte. Damit hätten Sie nicht gerechnet, meinten sie, wo sie doch sehr auf wiederverwendbare Stofftaschen und Mülltrennung achten. Etwas Neues war für viele auch das Thema Mikroplastik in der Kosmetik. Dafür hat die Gruppe ein Duschpeeling durch einen Kaffeefilter gefiltert. Zurück geblieben ist eine Vielzahl kleiner Plastikkügelchen, die normalerweise in die Kanalisation gespült werden und bei zu geringer Größe auch nicht von den Kläranlagen herausgefiltert werden können.

Die Botschaft

Deutschland ist Teil des Problems: Deutsche verbrauchen mit Abstand das meiste Plastik in der EU – ein Viertel der Gesamtmenge. Laut offiziellen Angaben werden 57 Prozent des deutschen Plastikmülls verbrannt, 42 Prozent recycelt und nur ein Prozent deponiert. Zwischen unserem Plastikverbrauch und dem Plastikmüll klafft eine verdächtige Lücke von rund vier Millionen Tonnen pro Jahr. Wo landet dieses Plastik, wenn es nicht verbrannt oder recycelt wird? Bestimmt auch in der Umwelt, wo es zum Problem wird. Verbraucher und Politik können ihren Teil beitragen, denn vielerlei Plastik lässt sich aus unserem Alltag verbannen: an erster Stelle Mikroplastik in Kosmetika, aber auch typisches Wegwerfplastik wie Einwegflaschen, To-Go-Kaffeebecher, Verpackungen oder Einwegtüten. Die Deutschen verwenden beispielsweise pro Jahr 76 Plastiktüten, nicht eingerechnet die dünnen Obst- und Gemüsebeutel. Viel zu viele; wir brauchen dringend eine gesetzliche Regelung gegen Einwegtüten – sowie ein Verbot von Mikroplastik in Kosmetika. Freiwillige Selbstverpflichtungen der Industrie und Händler reichen nicht.

 

Weiterführende Links

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