Gedenken der Fukushima-Opfer

Am 11. März 2011 zerstörte ein Erdbeben der Stärke 9 mit gewaltiger Tsunamiwelle große Teile des Atomkraftwerks Fukushima Daiichi. Es kam zu drei Kernschmelzen. Zehntausende Menschen wurden evakuiert. Aus den beschädigten Reaktoren flossen zehntausend Liter radioaktiv verseuchtes Kühlwasser in den Pazifik.  Heute, vier Jahre später, ist die Region weiterhin unbewohnbar und wird es auch in Zukunft bleiben. Mittlerweile mehren sich die Anzeichen bei den evakuierten Kindern, dass schwere gesundheitliche Folgen wie z.B. Schilddrüsenkrebs Folge der Katastrophe sind (www.ippnw.de). Über das Grundwasser gelangt nach wie vor Radioaktivität in Flüsse und den Ozean und ist selbst noch auf der anderen Seite des Pazifiks – in den USA – messbar. Vor Ort ist nach wie vor unklar, was mit der radioaktiv verseuchten Erde um das Atomkraftwerk geschehen soll. Fukushima, Tschernobyl und Dutzende weitere schwere Atomunfälle beweisen, dass Atomkraft technisch nicht beherrschbar und deren Einsatz lebensverachtend ist. Daran erinnern die Greenpeace Gruppen Münsingen und Tübingen am 4. Jahrestag von Fukushima am 11. März 2015 von 16-20 Uhr auf dem Reutlinger Marktplatz mit einer Ausstellung von vierzig exemplarischen Atomunfällen aus der ganzen Welt seit Beginn der Nutzung der Atomkraft.


Nach der Katastrophe von Fukushima hat die Bundesregierung den schrittweisen Ausstieg aus der Atomkraft bis zum Jahr 2022 beschlossen, doch die Risiken bestehen weiter und jede Minute zählt, den Ausstieg voran zu treiben. Die deutschen Atomkraftwerke produzieren nach wie vor jährlich rund 230 Tonnen abgebrannte Brennelemente, für die nach wie vor kein Endlager in Sicht ist. In der maroden Schachtanlage Asse rosten nach wie vor 126.000 Fässer mit radioaktiven Abfällen vor sich hin und es ist derzeit unklar, was mit diesem Atommüll geschehen soll. Aber nicht nur der Atommüll stellt ein ungelöstes Problem dar. Auch die weltweit weiter laufenden Atomkraftwerke bergen unabschätzbare Gefahren. So weisen beispielsweise Atomkraftwerke, wie Belgiens Meiler Doel 3 und Tihange 2, nur 70 Kilometer von Aachen entfernt, besorgniserregende Schäden auf. Im Jahr 2012 wurden Risse im Stahldruckbehälter entdeckt, der den Reaktorkern umgibt, ein Problem, das auch andere und insbesondere die älteren Reaktoren betreffen könnte (www.greenpeace.de/themen/energiewende/atomkraft/schwere-schaeden-akw). Je älter die Atomkraftwerke werden, umso größer die Gefahren von Materialermüdung. Die weltweit existierenden Reaktoren sind im Schnitt 28,5 Jahre alt, der älteste Reaktor, Beznau 1 in der Schweiz nahe der deutschen Grenze, ist seit fünfundvierzig Jahren am Netz. Statt sich aber von dieser riskanten Technologie - die übrigens nur 2% der weltweiten Stromproduktion abdeckt - zu verabschieden, sind innerhalb und außerhalb Europas neue Atomkraftwerke geplant. Beispielsweise sollen allein in China achtundfünfzig neue Reaktoren hinzu kommen, sechs weitere in Polen, vier in Großbritannien  und neun in Japan (Quelle: de.statista.com). Und diese Entwicklung wird von politischer Seite aus gefördert. Die EU-Kommission hat über zwanzig Milliarden Euro an Subventionen für neue Atomkraftwerke in Großbritannien genehmigt und droht damit, einen Präzedenzfall für den Ausbau der Kernenergie zu schaffen. Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die Verantwortlichen kaum etwas aus dem Super-GAU in Japan gelernt zu haben scheint. Im Gedenken an die Opfer von Fukushima: gegen das Vergessen der Katastrophe und gegen die unverantwortliche, folgenreiche und teure  Atomenergie. Denn technisches und menschliches Versagen sind nie auszuschließen.

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