Einkaufsnetz statt Plastiktüte!

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Am 8. und 9. Juli veranstaltete der Tübinger Jugendgemeinderat die Tübinger Umwelttage. Neben vielen spannenden und hochkarätig besetzten Vorträgen zum Klimawandel und Klimaschutz, gab es Klimaspiele, Workshops, eine Kleidertauschbörse und vieles andere mehr. An beiden Tagen präsentierten sich auch verschiedene Organisationen mit ihren Informationsständen rund um den Umwelt-und Klimaschutz auf der Platanenallee.

Wir Tübinger Greenpeace-Aktivisten haben am Samstag auf das riesige Problem des Plastikmülls aufmerksam gemacht. Neben einem Schaubild zu den bereits bestehenden größten Plastikmüll-Strudel, an verschiedenen Orten in unseren Ozeanen, zeigten wir auch anhand eines Zeitstrahl-Banners wie lange es dauert, bis verschiedene alltägliche Gegenstände aus Plastik zu Mikroplastik zerfallen sind.
Außerdem luden wir die Passanten ein, mit uns zusammen Einkaufsnetze aus Hanfschnüren zu knüpfen um auf ein längst überfälliges Verbot von Plastiktüten hinzuweisen und symbolisch zu zeigen wie jeder durch die Nutzung von einfachen Alternativen Plastikmüll vermeiden kann.

Egal ob an der Ostsee oder in den Alpen: Plastik gelangt oft über die Flüsse ins Meer. Dort verrottet es nicht, sondern belastet für mehrere hundert, wenn nicht tausende Jahre die Ökosysteme. Plastikmüll treibt z.B, in riesigen Müllstrudeln durch die Meere und sammelt sich selbst an entlegenen Stellen wie Tiefseegräben oder der Arktis. Der meiste Plastikabfall gelangt aus China, Indonesien und weiteren asiatischen Ländern ins Meer. Doch auch Deutschland ist Teil des Problems: Deutsche verbrauchen mit Abstand das meiste Plastik in der EU – ein Viertel der Gesamtmenge. Laut offiziellen Angaben werden 57 Prozent des deutschen Plastikmülls verbrannt, 42 Prozent recycelt und nur ein Prozent deponiert. Zwischen unserem Plastikverbrauch und dem Plastikmüll klafft eine verdächtige Lücke von rund vier Millionen Tonnen pro Jahr. Wo landet dieses Plastik, wenn es nicht verbrannt oder recycelt wird? Bestimmt auch in der Umwelt, wo es zum Problem wird.

Bis zu 13 Millionen Tonnen Plastikabfälle gelangen jedes Jahr weltweit alleine von Land aus ins Meer. Dort werden Plastikteile zur tödlichen Falle für viele Meereslebewesen wie Seevögel, Schildkröten oder Delfine: Diese verheddern sich darin und ertrinken – oder verwechseln sie mit Nahrung. Auch im Magen eines der kürzlich an der Nordseeküste gestrandeten Pottwale fanden Wissenschaftler ein Fischernetz. Plastik macht mittlerweile über die Hälfte des Mülls an den Stränden der Nord- und Ostsee aus.

Der Wellengang und die UV-Strahlung zerkleinern den schwimmenden Plastikmüll in mikroskopisch kleine Teilchen – sogenanntes Mikroplastik. Doch auch in Kosmetika steckt Mikroplastik in Form von winzigen Perlen oder Granulaten. Zu klein, um aus unseren Abwässern gefiltert zu werden, gelangen diese über die Flüsse ins Meer. Dort sammeln sich an den Partikeln Umweltschadstoffe, teils in hoher Konzentration. Forscher haben längst Mikroplastik in Plankton, Muscheln und Garnelen nachgewiesen – auch in Nordseefischen wie Makrele, Hering oder Flunder. So landen giftige Plastikabfälle über die Nahrungskette unter Umständen wieder auf unserem Teller.

Verbraucher und Politik können ihren Teil beitragen, denn vielerlei Plastik lässt sich aus unserem Alltag verbannen: an erster Stelle Mikroplastik in Kosmetika, aber auch typisches Wegwerfplastik wie Einwegflaschen, To-Go-Kaffeebecher, Verpackungen oder Einwegtüten. Die Deutschen verwenden beispielsweise pro Jahr 76 Plastiktüten, nicht eingerechnet die dünnen Obst- und Gemüsebeutel. Das sind viel zu viele. Wir brauchen dringend eine gesetzliche Regelung gegen Einwegtüten – sowie ein Verbot von Mikroplastik in Kosmetika. Freiwillige Selbstverpflichtungen der Industrie und Händler reichen nicht.

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