Wälder

Die Lungen der Erde. Wälder sind neben den Weltmeeren die artenreichsten, produktivsten und wertvollsten Lebensräume der Erde. Sie erzeugen Sauerstoff, binden Kohlenstoff und regulieren das Klima.

Was hat der Urwald mit uns zu tun?
Der Schutz der Wälder ist eines der „Ur-Themen“ von Greenpeace und nimmt auch in unserer Gruppenarbeit wichtigen Raum ein. Wir wollen den Menschen in Tübingen vermitteln, was unser Lebensstil mit den Urwäldern zu tun: Zeitunglesen, Fleischessen, Möbelkaufen, Autofahren – all das hängt häufig mit Urwaldzerstörung zusammen. In den vergangenen Jahren haben wir uns mit der Abholzung nordeuropäischer und nordamerikanischer Urwälder für die Papierproduktion, der Umwandlung von Urwald in Weide- und Ackerflächen, der Möbelherstellung aus Tropenhölzern und mit der Produktion von pflanzlichen Ölen wie Palmöl beschäftigt. Wir informieren an Ständen in der Innenstadt, beteiligen uns an groß angelegten Unterschriftenaktionen, geben Tipps für einen urwaldfreundlichen Lebenswandel und stehen für Fragen zur Verfügung.

Urwälder: für Tiere, Pflanzen und Menschen unverzichtbar
Wälder sind für das Leben auf der Erde von unschätzbarem Wert. Die Vielfalt an Tieren und Pflanzen, die sie bergen, ist bis heute zu einem großen Teil noch unerforscht. Doch die weltweite Zerstörung der Urwälder schreitet noch immer voran. Nach wie vor werden wertvolle Wälder in Süd- und Mittelamerika, Afrika, Südostasien, Nordeuropa, Sibirien und Nordamerika zur Herstellung von Holz und Papier vernichtet. Eine neue Bedrohung ist die stark gestiegene Nachfrage nach Palmöl, das in unzähligen Produkten des täglichen Gebrauchs steckt. Auch der westliche Fleischkonsum treibt die Urwaldzerstörung voran, da für Rinderfutter wie Soja riesige Flächen benötigt werden. Die Waldzerstörung hat für das Weltklima verheerende Folgen.

Palmöl – „Give the Orang Utan a break“
In Indonesien verwüsten Konzerne wie Sinar Mas riesige Flächen Urwald, um Plantagen anzulegen. Ihr Motiv: das schnelle Geld dank Palmöl. Dieses Öl steckt heute in den unterschiedlichsten Produkten des täglichen Lebens: In Lebensmitteln wie Margarine, Gebäck und Süßigkeiten, in Kosmetikartikeln und in Wasch-, Spül- und Putzmitteln. Ein großer Abnehmer von Palmöl ist der Nahrungsmittelkonzern Nestlé, der es unter anderem in dem Schokoriegel „Kitkat“ verarbeitet. Greenpeace Tübingen hat sich an einer großen Kampagne beteiligt, mit der Nestlé dazu gebracht werden sollte, seine Geschäftsbeziehungen mit Sinar Mas zu beenden und sich für einen umweltverträglichen Anbau von Ölpalmen einzusetzen. Die Rodung von Urwald für Ölpalmenplantagen hat schlimme Folgen: Mit dem Wald wird der Lebensraum unzähliger Tierarten vernichtet. Besonders betroffen ist der Orang Utan, der nur in Indonesien vorkommt. Der bekannte Kitkat- Werbespruch war die Vorlage für den Slogan der Greenpeace-Kampagne: „Nestlé: Give the Orang Utan a break!“. Abholzung und Brandrodung in Indonesien beschleunigen den Klimawandel, da ein großer Teil der indonesischen Urwälder auf Torfböden wächst. Bei der Vernichtung der Torfwälder gelangen Unmengen Kohlendioxid (CO2) in die Atmosphäre. Auch Menschen verlieren ihre Heimat, wenn Urwald in Plantagen umgewandelt wird – wo das große Geld lockt, werden ganze Familien gewaltsam vertrieben oder sie geraten in Konflikte um Landrechte. Nestlé hat als größter Nahrungsmittel- und Getränkekonzern, der jährlich mehrere Hundert Tonnen Palmöl verarbeitet, eine besondere Verantwortung. Sinar Mas ist da ein denkbar schlechter Partner: Der größte indonesische Palmölkonzern missachtet internationale Standards und indonesisches Recht und weigert sich bislang, einem Stopp der Entwaldung zuzustimmen. Auf Druck von Greenpeace und weltweit hunderttausenden Verbrauchern hat Nestlé eingelenkt und am 18. Mai 2010 einen Aktionsplan vorgelegt, um zukünftig auf Palmöl aus Urwaldzerstörung zu verzichten. Greenpeace wird die Umsetzung des Vorhabens kritisch beobachten. Parallel dazu arbeitet Greenpeace weiter darauf hin, dass auch andere Firmen sich um einen nachhaltigen Anbau von Ölpalmen bemühen. In Tübingen haben wir die Palmöl-Kampagne mit mehreren Infoständen unterstützt, an denen zahlreiche Bürger Postkarten an Nestlé unterschieben haben.

Augen auf beim Möbelkauf
Noch immer werden in Möbelgeschäften Stühle, Tische, Liegestühle und andere Einrichtungsgegenstände aus nicht-zertifiziertem Tropenholz angeboten – auch in Tübingen. In den Sommermonaten bieten einige Läden Gartenmöbel aus Teak und anderen tropischen Hölzern unklarer Herkunft an. Wir behalten das Angebot in Tübingen im Blick und klären Händler wie Kunden über die katastrophalen Folgen des unkontrollierten Einschlags in Urwäldern auf. Dank einer verbesserten Information beider Gruppen finden wir bei unseren Recherchen in Tübingen heute weniger unzertifizierte Tropenholzprodukte als vor einigen Jahren. Europäische Harthölzer wie Douglasie oder Robinie sind eine sinnvolle Alternative zu den robusten Tropenhölzern. Wer auf Tropenholz nicht verzichten möchte, sollte beim Kauf auf das FSC-Siegel (Forest Stewardship Council) achten und beim Händler gezielt nach diesem Kennzeichnen fragen. Nur das FSC-Siegel, das direkt am jeweiligen Produkt angebracht sein muss, garantiert eine umwelt- und sozialverträgliche Waldnutzung, die von unabhängigen Stellen kontrolliert wird. Das PEFC-Label oder Beschreibungen wie „aus naturverträglicher Forstwirtschaft“ ohne FSC-Siegel erfüllen diese Kriterien nicht. FSC-Produkte gibt es übrigens auch aus heimischen Hölzern.