Landwirtschaft

Unsere Zukunft steckt im Boden. Wir brauchen eine moderne, gesunde Landwirtschaft, die sich an natürlichen ökologischen Kreisläufen ausrichtet und auf den Einsatz von Gentechnik und Pestiziden verzichtet.

Grüne Gentechnik – riskant und überflüssig
Was landet auf meinem Teller? Entscheidungsfreiheit in dieser Frage halten wir für ein hohes Gut. Lebensmittel mit gentechnisch veränderten Bestandteilen sollte niemand unwissentlich untergejubelt bekommen. Doch in Deutschland und in den EU-Staaten müssen Fleisch, Eier und Milch von Tieren, die genmanipuliertes Futter bekommen haben, noch immer nicht entsprechend gekennzeichnet werden. Die Deklarierungspflicht gilt nur für Lebensmittelzutaten, die direkt gentechnisch verändert wurden – nicht aber für Erzeugnisse von Tieren, die mit Gen-Pflanzen gefüttert werden. Diese Kennzeichnungslücke zu schließen, ist uns ein Anliegen.
Wir lehnen die grüne Gentechnik – also den Anbau und die Nutzung gentechnisch veränderter Pflanzen als Nahrungsmittel – ab. Die Risiken für Mensch und Umwelt sind zu groß – und eine Notwendigkeit für derartige Experimente besteht nicht.

Was wir tun
Wir beteiligen uns an der Gentechnik-Kampagne von Greenpeace. In und vor Supermärkten und an Infoständen in der Innenstadt informieren wir Verbraucher darüber, welche Risiken die grüne Gentechnik birgt und wie jeder Einzelne sie umgehen kann. Da die gesetzliche Kennzeichnungspflicht nicht ausreicht, haben wir bereits mehrfach Produkte in den Supermärkten selbst gekennzeichnet, um den Verbrauchern zu wirklicher Wahlfreiheit zu verhelfen. Wir führen Gespräche mit Filialleitern und machen bei Unterschriften- und Postkarten-Aktionen mit, um Druck auf Firmen auszuüben, die Gentechnik in ihrer Produktionskette nicht ausschließen. Umfragen belegen wiederholt: Die Mehrheit der Verbraucher in Deutschland lehnt die grüne Gentechnik ab. Dass dies immer mehr große Firmen berücksichtigen, ist auch der hartnäckigen Arbeit vieler Greenpeace-Gruppen neben zahlreichen anderen Umweltengagierten zuzuschreiben. In Tübingen haben wir uns beispielsweise an einer groß angelegten Kampagne beteiligt, die Landliebe letztlich dazu bewegte, keine Milch von Kühen mehr zu verarbeiten, die gentechnisch verändertes Futter bekommen. Erfolge wie dieser sind für uns ein Ansporn, auch bei Konzernen wie Müller und Weihenstephan nicht locker zu lassen.

Keine Gentechnik auf dem Teller? So geht’s:
Der ständig aktualisierte Einkaufsratgeber „Essen ohne Gentechnik“ von Greenpeace zeigt Ihnen, welche Produzenten auf Gentechnik verzichten und welche noch uneinsichtig sind. Sie können ihn auf der Website http://www.greenpeace.de im Themenbereich „Gentechnik“ herunterladen oder bestellen. Eine weitere Hilfe beim Einkauf ist das Siegel „Ohne Gentechnik“.  Seit 2009 dürfen Hersteller tierische Produkte wie Milch, Eier und Fleisch damit kennzeichnen, wenn sie für eine gentechnikfreie Fütterung der Tiere garantieren können.

Gentechnik in der Umgebung Tübingens?
In Baden-Württemberg werden zurzeit keine gentechnisch veränderten Pflanzen angebaut (Stand: Oktober 2012) – weder zur kommerziellen Nutzung noch versuchsweise. Die Versuchsfelder der Hochschule Nürtingen in Oberboihingen (Landkreis Esslingen) wurden 2008 aufgegeben. Momentan konzentriert sich der Anbau von Genpflanzen in Deutschland auf mehrere ostdeutsche Bundesländer und Bayern. Alle Standorte können im Online-Standortregister des Bundesamts für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit ( http://www.bvl.bund.de ), die kommerziell genutzten auch auf der Anbaukarte von Greenpeace ( http://www.greenpeace.de ) eingesehen werden.

Was gegen grüne Gentechnik spricht
Die grüne Gentechnik, also der Anbau und die Verarbeitung gentechnisch veränderter Pflanzen, birgt ungeklärte Risiken: Ist genmanipuliertes Saatgut einmal ausgebracht, kann es sich unkontrolliert ausbreiten. Durch Pollenflug oder durch Insekten kann es zu Auskreuzungen mit natürlichen Pflanzen kommen – diese Ausbreitung kann selbst bei noch so großen Abständen zwischen Gen- und herkömmlichen Feldern oder Wiesen nicht verhindert werden. Immer wieder vermischen sich herkömmlich erzeugte und gentechnisch veränderte Lebensmittel, sei es bereits auf dem Acker, sei es bei der Weiterverarbeitung. Für Biobauern und Bioimker kann Gentechnik so zur existenziellen Gefahr werden. Welche Folgen gentechnisch veränderte Nahrungsmittel für die Verbraucher haben können, ist unklar: Langzeitstudien fehlen und die Gentechnik-Industrie tut alles dafür, Anzeichen für gesundheitliche Gefahren unter Verschluss zu halten. In wissenschaftlichen Untersuchungen werden in gentechnisch veränderten Pflanzen regelmäßig ungewollte Veränderungen im Erbgut gefunden, die zur Bildung unerwünschter Stoffe führen können. Diese können Allergien auslösen.
Ein Mittel gegen den Hunger in der Welt, wie Genfirmen gerne behaupten, ist die riskante Technologie nicht. Genpflanzen sind weder ein Garant für höhere Erträge, noch reduzieren sie den Einsatz von Pestiziden. Stattdessen werden auf Genfeldern häufig mehr Pestizide eingesetzt, und Kleinbauern in Entwicklungsländern droht die Abhängigkeit von Saatgutkonzernen, wenn sie sich auf den Anbau gentechnisch veränderter Pflanzen einlassen. Wirksame Mittel gegen Hunger und Armut sind nachhaltige Anbaumethoden und an die jeweiligen regionalen Bedingungen angepasstes Saatgut.

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Mehr Informationen, Neuigkeiten und zahlreiche Publikationen gibt es im Themenbereich „Landwirtschaft - Gentechnik“ auf www.greenpeace.de

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