Tübinger Stadtluft geprüft

Media

Das Problem ist bekannt: Jede zweite innerstädtische Messstation in Deutschland zeigt Stickoxidwerte (NO2), die über dem geltenden EU-Jahresgrenzwert liegen. 40 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft dürften es sein, doch oft sind es 50 oder 60 Mikrogramm, manchmal noch mehr.

Seit Anfang März 2016  misst deshalb Greenpeace gemeinsam mit der Universität Heidelberg bundesweit in 13 großen Städten und vier Bundesländern die Belastung mit Stickstoffdioxid (kurz NO2) in der Luft (Mikrogramm/m3). Auch die Greenpeace-Messungen zeigen, dass Stadtluft alles andere als gesund ist. Stickoxide schädigen die Atemwege – vor allem bei Kindern – und erhöhen das Herzinfarktrisiko. Die größte Stickoxid-Quelle sind die Auspuffe von Dieselfahrzeugen. Aus ihnen quellen gut zwei Drittel der verkehrsbedingten NO2-Abgase. Am Dienstag, 15.03.16 hat das Mess-Team mit Daniel Moser, Greenpeace Verkehrsexperte aus Hamburg und Katja Bigge von der Uni Heidelberg in Tübingen Station gemacht. Gemessen wird mit einem neuen Messgerät namens NO2 ICAD, das auf den Anhänger eines E-Bikes montiert wurde, also mobil ist. Das Team misst auch abseits der wenigen offiziellen Messstationen an verkehrsreichen Straßen, z.B. auf Fahrradwegen und Kinderspielplätzen  oder vor Schulen. Die Messungen sollen ein besseres Bild davon vermitteln, wie stark die NO2-Belastung an Orten ist, an denen sich viele Menschen aufhalten.

In Tübingen wurde an insgesamt 7 Stationen die NO2-Konzentrationen gemessen: beim CRONA-Parkhaus an der Schnarrenbergstraße, am Lustnauer Tor, am Kinderspielplatz im Alten Botanischen Garten, an der Kelternstraße, am Westbahnhof, an der Alleenbrücke bei den Lindenbrunnen-Schule und  auf der Neckarbrücke. Die Werte lagen deutlich über den erlaubten EU-Grenzwerten von 40 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft – im Schnitt bei 70 Mikrogramm. Am Lustnauer Tor waren sie am  höchsten, dort wurden Maximalwerte von mehr als 400 Mikrogramm gemessen.

Warum gerade Stickoxid?
Stickstoffdioxid ist ein gesundheitsschädlicher Luftschadstoff, der bei Verbrennungsprozessen entsteht. Der Schadstoff fördert Atemwegserkrankungen wie Asthma, Allergien, Herzkreislauferkrankungen, Krebs und kann zum vorzeitigen Tod führen. Allein in Deutschland geht die Europäische Umweltagentur von jährlich gut 10.000 vorzeitigen Todesfällen durch hohe Stickstoffdioxid-Werte aus. Die größte Ursache sind Dieselmotoren, die für etwa zwei Drittel der Stickoxid-Emissionen im Straßenverkehr verantwortlich sind. Die Weltgesundheitsorganisation WHO sieht Dieselabgase als eindeutig krebserregend an und ordnet die Abgase der Selbstzünder in einer Gruppe mit Arsen, Asbest und Senfgas ein.
Die Bundesregierung subventioniert Diesel jährlich mit sieben Milliarden Euro – über die niedrig gehaltenen Dieselpreise an den Tankstellen. Geld, das an anderer Stelle fehlt und in zukunftsfähige Verkehrskonzepte investiert werden könnte. Etwa in die Umrüstung der innerstädtischen Busflotten auf Elektromotoren. Die sieben Milliarden Euro aus dem ersten Jahr ohne Dieselsubventionen würden reichen, alle innerstädtischen Busse durch Elektrobusse zu ersetzen. Im zweiten Jahr könnte die riesige Summe in den Ausbau des Radwegenetzes fließen, im dritten in den Ausbau und die Vernetzung des öffentlichen Nahverkehrs…
Doch stattdessen verzichtet die Regierung Jahr für Jahr auf Steuermilliarden und fördert so den Verkauf von gesundheitsschädlichen Dieselwagen. Schluss damit!
Fordern Sie mit uns die Abschaffung der Diesel-Subvention und schicken Sie Verkehrsminister Alexander Dobrindt eine Protestmail.
 

Publikationen

Weiterführende Links

Greenpeace: Mobilität
Stadtluft auf dem Prüfstand
10 Maßnahmen für eine gesunde Mobilität in Deutschlands Stadtzentren

Tags